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Tips und Bemerkungen zum Fischen mit der Fliegenrute im Kreidesee:
Das Besondere des Kreidesees für den Fliegen- Fischer sind seine extreme Tiefe, die Klarheit des Wassers, eingeschränkte Watmöglichkeiten und kräftige Fische deren Gewicht oft über 2 Pfd. liegt. Fische über 10 Pfd. sind selten, aber vorhanden.
Eine weitere Besonderheit ist ehemaliger Baumbewuchs und an einigen Stellen, altes Moniereisen unter Wasser. Dies bedeutet, das Drillen und Landen eines guten Fisches ist nicht einfach. Da wegen der enormen Klarheit des Wassers sehr “dünn” gefischt werden muß, sind die Anforderungen an den Fischer und das Geschirr hoch.
Wir benutzen meist eine Einhandrute der Klasse 7-9 zwischen 9‘+10‘ Fuss lang. Als Griff bevorzugen wir die Full- Welse Form mit Fighting- But. Ruten der Klasse 5 + 6 haben wir ebenfalls eingesetzt. Hier hat sich aber gezeigt, daß das Handling eines Fisches von mehr als 4Pfd. schwierig ist. Der Drill dauert unnötig lange, wodurch der Fisch leichter verloren geht und für den Fall, daß man ihn zurücksetzen will, unnötig gestreßt wird. Diese Ruten haben außerdem meist einen Griff ohne Fighting- But. Die Fische des Kreidesees sind in der Regel (wenn sie nicht gerade im fortgeschrittenen Laichstadium sind), in sehr guter Verfassung und der Sauerstoff- Gehalt des Wassers ist sehr hoch. Wer einmal einen guten Fisch über 15 Minuten nur mit dem Handgelenk spazieren geführt hat, weiß hinterher diese kleine Rutenverlängerung zu schätzen. Da wir meist mit relativ großen Fliegen oder Streamern fischen, die zudem auch bei Wind weit geworfen werden müssen, ist eine Rute mit schneller Aktion von Vorteil. Hat man zB. eine Meerforellenrute, ist Diese eine gute Wahl.
Bei der Rolle ist wünschenswert, daß sie zusätzlich zur Schnur ca. 100m Backing fassen kann und über eine ordentliche Bremse verfügt. Beim Drill besteht an etlichen Stellen die Gefahr, daß der Fisch in Unterwasser- Hindernisse flieht. Um den Winkel zum Fisch kurz zu halten, oder die Zugrichtung zu wechseln, muß man am Ufer entlang waten oder laufen. Hier ist die schnelle Schnur- Aufnahme der Großkern- Rollen von Vorteil. Man kann nach einem Biß die noch lose im Wasser befindliche Schnur schneller auf die Rolle spulen und den Fisch von der Rolle drillen. Das erspart einem, in den im Wasser liegenden Schnurklängen umher zu stolpern. Bei einer Schwimmschnur geht dies vielleicht noch; ich fische aber hauptsächlich mit Intermediate- oder Sink- Schnüren und die sieht man vor sich auf dem Grund schlecht. Die Verwendung eines Schnurkorbes ist beim Fischen mit komplett sinkenden Schnüren eine große Hilfe.
50-100m Backing sind ernsthaft empfohlen. Man braucht sie nicht oft, aber bei Fischen von 6+mehr Pfd. ist Ihre Fliegen- Schnur durch die Ringe, bevor Sie bis 3 zählen können. Von den in den letzten Jahren gehakten wirklich kapitalen Fischen sind der größte Teil durch mangelhafte Schnur, Knoten, oder zu wenig Backing auf der Rolle verlorengegangen. Ein Jammer für Fische und Fischer!
Als Schnüre haben sich Solche mit WF Keulenform, oder, wer’s mag, Schußköpfe als sehr brauchbar erwiesen. Es besteht nicht überall am See die Möglichkeit große Schnurlängen hinter sich in der Luft abzulegen. Aufgrund der enormen Klarheit des Wassers wird bevorzugt auf Distanz und bei Wind gefischt.- Je mehr Wind desto besser, Wellen sind sehr gute Deckung für den Fischer. Trotzdem sollte die Schnurklasse nur so schwer wie gerade nötig gewählt werden!”
Manchmal ist das Fischen mit der Trocken- Fliege erfolgversprechend, besonders zur Zeit vermehrten Maifliegen- Schlupfes. Auch das Fischen mit an der Oberfläche furchenden Poppern und ähnlicher Fliegen, ist einen Versuch wert. Mit der Intermediate- Schnur gefischte Aufsteiger- Imitationen sind zu Insekten- Schlupfzeiten jedoch meist erfolgreicher. Dies mag damit zusammenhängen, daß diese Schnüre aufgrund ihrer Lage im Wasser weniger sichtig sind.
Die meiste Zeit im Jahr fischen wir mit Sinkschnüren in Wassertiefen von 2 Metern und tiefer. Hier sind Schnüre mit relativ hoher Sinkrate und angepaßter, spezifischer Gewichtsverteilung ( density compensated) gut. Es gibt diese Schnüre je nach Schnurklasse mit einem ca. 4 - 7m langen Sinkteil dem eine dünne Schwimmschnur folgt. Also eigentlich ein Schußkopf mit einer schwimmenden Running- Line ohne störende Knoten- oder Schlaufen- Verbindung. Durch die angepasste Gewichtsverteilung sinken diese Schnüre mit der Spitze zuerst, ohne einen Schnurbauch zu bilden. Die schwimmende Running- Line folgt dann langsam soweit nötig nach. Die nicht benötigte Schnur liegt vor einem auf dem Wasser und insgesamt besteht auch bei großer Tiefe eine möglichst direkte, gestreckte Verbindung zur Fliege. Ein für mich großer Vorteil: der Schußkorb kann zu Hause bleiben..
Als Vorfach- Material ist das Beste gerade gut genug. Ein Material mit weniger als 3,5Kg Tragkraft macht wenig Sinn. Aufgrund des sehr klaren Wassers sollte das Vorfach nicht unnötig dick aber in keinem Fall dünner als nötig gewählt werden. Im Zweifelsfall lieber dicker und 1nen Meter länger. Die ungewöhnlich hohe Vorfachbelastung entsteht durch die Tiefe des Sees. Bei Wassertiefen von 2m ist es durchaus möglich einen größeren Fisch mit 16er Schnur zu fangen. Bei 10m Wassertiefe sieht dies anders aus. Der Fisch stützt sich bei einer plötzlichen Flucht oder schon beim oft sehr energischen Nehmen der Fliege mit dem entstehenden Schnur- Bogen an der Wassersäule ab und das Vorfach bricht, bevor die Rute oder die Rolle den Druck ausgleichen kann. Es hat sich gezeigt, daß 0,22 Vorfachspitzen bei der Tief- und Streamer- Fischerei eine gute Wahl sind. Bei der Intermediate- und Trockenfliegen Fischerei gehen wir unter schwierigen Bedingungen, oder wenn kleine Fliegen gefischt werden, bis 0,18 herunter. Dies ist bei einem ordentlichen Fisch schon riskant, da es nicht immer gelingt den Fisch so zu drillen, daß er nicht auf die Idee kommt sein Heil in der Tiefe zu suchen. Das Wegtauchen der Fische wird oft durch zu viel Druck beim Drill ausgelöst. Ein gehakter Fisch kann innerhalb von Sekunden auf 10+ Meter Tiefe gehen und in ähnlich kurzer Zeit wieder nach oben kommen. Gern wird dieses Manöver noch durch einen flotten Sprung mit geschütteltem Überschlag abgeschlossen. Salmonieden können 30 kmh. erreichen! =:0) Stellen Sie sich einmal den Schnurbogen vor, der dabei entsteht. - Ein echter Schleppanker. Ihre Rute und Rolle können in so einem Moment nicht viel helfen. Es ist daher eine gute Idee,die Rollenbremse nur soweit anzuziehen, wie es für das Verhindern des Schnurüberlaufens bei ruckartigem Schnurabzug nötig ist. Das Bremsen des Fisches läßt sich mit der Hand am Spulenrand gefühlvoller bewerkstelligen.
Als Fliegenmuster haben sich folgende bewährt: Fisch- Imitate wie Whooly- Bugger, Zonker, Sreamer und Buck- Tails, Maus- Imitate und Flußkrebs- wie auch Bachfloh- Krebs- Imitate. Stimulator- Fliegen im Oberflächen- Film oder knapp darunter, wie auch tiefer gefischt haben schon viele gute Fische verführt. Aufsteiger- Imitate wie Montanas in allen Größen und Farben und Nymphen mit und ohne Goldkopf sind auch erfolgversprechend. Manchmal ist es auch lohnend, kleine Black Zulus oder Ähnliches anzubieten. Als Trockenfliegen sind Mai- und Steinfliegen- Imitate in verschiedenen Größen erfolgreich gewesen; - diese besonders auch als Spend- Versionen gebunden und mit winzigen Rucken auf der Oberfläche treibend gefischt.
Gebräuchliche Farben für Kreidesee- Fliegen sind schwarz, dunkelgrün, braun, gelb, weiß, orange, silber und gold. Ich binde diese Fliegen meist auf Hakengrößen zwischen 6 und 12 in unterschiedlicher Länge und Form. In Ausnahmefällen benutze ich auch Haken der Größe 14. Diese haben aber nur in sehr starkdrahtiger Ausführung Sinn. Mir ist schon ein Shrimp- Haken #10 der Fa. Patridge nach 10 MIn Drill von einer Regenbogenforelle gerade gebogen worden. Es blieb nur noch, dem Fisch Anerkennung und beste Wünsche mit auf den Weg zu geben.
Ich für meinen Teil lege Wert darauf, daß die Haken rostend sind. So hat ein abgerissener Fisch eine bessere Chance den Haken wieder los zu werden. Außerdem schadet es nichts, öfters einmal neue Fliegen zu binden. - Sie werden jedes Mal besser... und der Seele tut’s auch gut.
Ein wirklich nötiges Gerät ist am Kreidesee ein großer Kescher. Ein normales Forellennetz ist zu klein;- die Meerforellen- Klasse ist hier richtig.Ein kurzer Griff ist ausreichend, da an allen befischbaren Stellen genügend gewatet werden kann, um den Fisch im Wasser zu keschern. Ohne Wathose ist der See mit der Fliegenrute übrigens nur sehr eingeschränkt zu befischen.
Wenn Sie mit Glück und Können einen guten Fisch erwischt haben und ihn entnehmen wollen, tun sie ihm und sich den Gefallen, ihn gleich zu töten. Hierbei ist es wichtig, ihn nicht nur mit einem Schlag auf den Kopf zu betäuben, sondern auch die Hauptschlagader zu durchtrennen und ihn ausbluten zu lassen. Danach sollte er alsbald ausgenommen werden.
Ganz wichtig ist es, ihn nicht über längere Zeit in einePlastiktüte zu stecken. Geschmack und Frische des Fisches leiden darunter erheblich. Ein Fisch der morgens gefangen wird und in eine Plastiktüte wandert, dort den weiteren Fisch- Tag mit anschließender Heimfahrt bis zum Abend verbleibt, hat zu Hause angekommen, mit einem frischen Fisch nichts mehr zu tun. Die Fische aus dem See sind köstlich und es ist ein Jammer ihnen dies so zu nehmen.
Für den Transport am Wasser ist eine Baumwoll- oder Jutetasche, ein Korb oder ein Galgen gut und später im Wagen haben sich einfache, mit Eis gefüllte Kühltaschen gut bewährt. Familie Pöpke stellt, soweit vorhanden, gern Eis zur Verfügung. Im Zeitalter des Handys, ist dies sicher einen kurzen Anruf wert.
Es sei hier zusätzlich erwähnt, daß man die Fische dort auch gegen faires Entgelt vorzüglich räuchern lassen kann. Lecker!
Zuletzt der Vollständigkeit halber noch ein Punkt: Leider gibt es am See immer wieder einmal unerfreuliche Mitmenschen, die tauchender-, mountainbikender-, hundeführender oder bootfahrenderweise die Fischerei durch Rücksichtslosigkeit oder Dummheit stören. Bitte melden Sie dies bei Pöpkes oder uns. Wir werden versuchen, dies schnellstmöglich zu unterbinden.
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